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Aktuelles


Vom Historismus zur Moderne
Der Werdegang eines erfolgreichen Architekten

William Lossow gehörte zu den Architekten, die in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in der Kunstgeschichte Sachsens eine herausragende Rolle gespielt haben. Er war kein Reformer wie Heinrich Tessenow, dessen Name mit der Stilbewegung Dresden-Hellerau verbunden ist, auch kein Vertreter des politisch engagierten Jugendstils wie Bruno Schmitz, dem die Sachsen das Leipziger Völkerschlachtdenkmal verdanken, sondern er kombinierte zunächst in spielerischer Form verschiedene historische Stile vom Mittelalter bis zum Barock. Sein besonderer Verdienst lag darin, in einer zweiten Phase seines Schaffens überlieferte Formen durch umsichtige Reduzierung so eingesetzt zu haben, dass großzügige, in ästhetischer und in technischer Hinsicht modernen Anforderungen entsprechende Bauten, entstanden. Er gilt als Schöpfer des „sächsischen Neobarock“, dessen zeitlose Eleganz auch heute noch anerkannt und geschätzt wird.

Schon früh stellte William Lossow sein großes Zeichen- und Formtalent unter Beweis. Nach der Bürgerschule in Glauchau besuchte er die Gewerbeschule in Chemnitz und begann dann am Polytechnikum in Dresden eine Ausbildung als Ingenieur, um 1878 das Studium der Architektur abzuschließen. Eine einjährige Studienreise nach Italien brachte ihm vermutlich gefüllte Skizzenblöcke und einen Schatz von Anregungen ein. Von 1880 bis 1906 arbeitete er in Dresden mit dem Baumeister Hermann Viehweger zusammen. Abgesehen von öffentlichen Aufträgen wie Theater, Schulen und Museen war er wohl eher ein Architekt für wohlhabende Bauherren, der Gutshöfe, prächtige Villen, repräsentative Grabmäler und dergleichen baute, aber auch Kirchen, Bankgebäude, Warenhäuser, Hotels und industrielle Anlagen. Er gestaltete auch die Innenräume bis zur Formung einzelner Möbel und Gebrauchsgegenstände. Eine Arbeitersiedlung oder eine Gartenstadt hat er nicht entworfen. Als Beispiel für seine Arbeiten dieser Periode kann seine eigene Villa gelten, das „Haus Hubertus“ in der Tiergartenstraße 52, welches die Zerstörung Dresdens überstanden hat. Es handelt sich um eine Art Muster des historistischen Bauens, in dem er von der antiken Säule bis zum mittelalterlichen Wasserspeier so gut wie alle einschlägigen architektonischen Spielformen untergebracht hat. Die Innenräume, von denen Abbildungen vorliegen, wirken durch Täfelung und edle Möblierung dunkel und überladen.

William Lossow hatte die Glauchauer Fabrikantentochter Johanna Kratz geheiratet; beider Tochter Johanna heiratete um 1905 den Architekten Max Hans Kühne (1874–1942), einen Schüler von Paul Wallot, dem Schöpfer des Berliner Reichstages. 1906 verband sich William Lossow mit seinem Schwiegersohn zu der Firma „Lossow und Kühne“. In den nur neun Jahren der Zusammenarbeit mit Max Hans Kühne, die eine Zeit der gegenseitigen künstlerischen Anregung und Beeinflussung gewesen sein muss, entstanden jene imposanten Bauten, die in die Architekturgeschichte eingegangen sind: das neobarocke Schauspielhaus in Dresden, die Gebäude der großen Hygieneausstellung in Dresden 1911 sowie die 1911 fertiggestellte, dem Jugendstil verpflichtete Synagoge in Görlitz, die in der NS-Zeit nur leicht beschädigt wurde. Als wichtigstes Werk gilt der 1915 fertiggestellte Hauptbahnhof in Leipzig; bei diesem Vorhaben konnten sich Lossow und Kühne 1906 mit ihrem unter dem Stichwort „Licht und Luft“ anonym eingereichten Entwurf unter den 76 beteiligten Architekten durchsetzen. Historische Formen und Proportionen sowie das moderne Streben nach klaren und einfachen Linien haben hier eine überzeugende Synthese gefunden, die uns noch heute anspricht. Als weiteres überzeugendes Beispiel für diese Richtung sei die Glauchauer Villa Clementinenstr. 8 angeführt, die William Lossow im Auftrag seines Bruders Arthur entworfen hat. Auch bei der Gestaltung von Innenräumen scheint die Firma neue Wege eingeschlagen zu haben.

1906 wurde William Lossow als Professor zum Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums in Dresden berufen. Es ging um die Entwicklung neuer Formen für industrielle Erzeugnisse: Die bloße Variation historischer Stile sollte auch hier einfacheren und zweckmäßigeren Linien weichen, die Nachahmung dem kreativen Gestalten. Bei seinen noch in Glauchau lebenden Verwandten sind eine Salatschüssel und ein Salatbesteck erhalten, auf denen sein persönliches Zeichen, ein von vorn und von der Seite dargestellter stilisierter Vogel, zu sehen ist, aber es ist nicht bekannt, ob er diese Gebrauchsgegenstände selbst entworfen oder nur ausgesucht hat. Diesen Vogel kann man an der Eingangstür seines Dresdener Grundstücks wiederfinden. Auch private Post hat er manchmal mit diesem Zeichen versehen. Es könnte sich um einen „Spaßvogel“ handeln, denn ein amüsanter Mensch und großer Anekdotenerzähler soll er zeitlebens gewesen sein. William Lossow starb 1914 im Alter von 61 Jahren. Die Fertigstellung seines größten Projektes, des Leipziger Hauptbahnhofs, hat er nicht mehr erlebt. Dr. Otto-Heinrich Elias


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