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Aktuelles


Ehrenbürger Paul Geipel zum 150. Geburtstag

In den Jahren von 1943 bis 1956/1957 schenkte der Dresdener Mediziner und Kunstsammler Prof. Dr. med. Paul Geipel dem Museum der Stadt Glauchau einen damals wie heute bedeutenden musealen Schatz. Dieses als „Dr.-Paul-Geipel-Stiftung“ bezeichnete, aus mehreren Schenkungen bestehende Vermächtnis umfasst 150 Gemälde, 6.500 Grafiken, ca. 350 Plastiken und Kleinreliefs, 50 kunsthandwerkliche Objekte, eine fotografische Sammlung, eine aus zahlreichen Bänden bestehende Gelehrtenbibliothek und etwa 2.300 Mineralien und Fossilien. Weitere Sammlungsteile – nahezu 400 Bronzen und Bildschnitzwerke sowie 22 Gemälde – gelangten zur selben Zeit an das Museum der Bildenden Künste Leipzig. In ihrer Gesamtheit widerspiegelt die Sammlung Geipel das hohe bildungsbürgerliche Kunstverständnis im Dresden des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Dem introvertierten Sammler war das seltene Glück vergönnt, aus den gesellschaftlichen Umbrüchen der Jahre 1918, 1933, 1945 und 1949 ohne politische Irritationen hervorgegangen zu sein. Sein makelloser Ruf als hervorragender Wissenschaftler brachte ihm durch alle Systeme hindurch eine Kontinuität seiner wirtschaftlichen Grundlage. Im Reigen der großen und kleineren bürgerlichen Sammlungen der Kunststadt an der Elbe ist sie nunmehr die wohl einzige, die in ihrer ursprünglichen Struktur nach Inflation, Weltwirtschaftskrise, Krieg und Nachkriegsentwicklung erhalten geblieben ist.

Das Museum und die Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau werden in der Zeit vom 18. Mai bis zum 15. September 2019 mit der Sonderausstellung „Nur das Beste!“ an den verdienstvollen Ehrenbürger der Stadt Glauchau und seine Sammelleidenschaft erinnern. Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Band erscheinen.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung wird facettenreich sein: Neben speziellen Führungen finden auch Vorträge statt, die Paul Geipel in seiner Tätigkeit als Pathologen und seine äußeren Lebensumstände vorstellen bzw. überraschende Entdeckungen – versteinerte Hölzer und Saurierknochen – bereithalten. Außerdem werden museumspädagogische Führungen unter dem Motto „Wir sammeln Dinge. Was sammelst Du?“ heutiges Sammeln beleuchten.

Am 06. Februar 1869 als Sohn eines Arztes geboren, folgte Paul Rudolf Geipel seinem Vater und studierte ab 1889 Medizin an der Universität Leipzig, nachdem er sein Abitur erlangt und seinen Militärdienst geleistet hatte. Kurzzeitige Praktika führten ihn – er wurde 1896 promoviert – nach Straßburg, Dresden, Hamburg und Gießen. Auf Vermittlung des namhaften Pathologen Georg Schmorl kam er 1901 endgültig nach Dresden, um die Prosektur des neu errichteten städtischen Krankenhauses Johannstadt zu übernehmen. Abgesehen von den vielversprechenden beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, die sich ihm nun eröffneten, fand der von Hause aus musisch ambitionierte Geipel in der sächsischen Haupt- und Residenzstadt zahlreiche kulturelle Anregungen. Mit einer mehr oder weniger kontinuierlichen Sammeltätigkeit auf den Gebieten Malerei, Grafik, Plastik und Mineralogie hatte er zur eigenen Erbauung und als Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Pathologe bereits 1906 begonnen. In Geipels Gemäldesammlung dominierten bald Arbeiten von Künstlern, die in Dresden tätig waren bzw. als Studierende oder Lehrende einen Bezug zur dortigen Kunstakademie hatten und mit dem Sammler zum Teil auch persönlich bekannt, in Einzelfällen befreundet waren. Es sind dies v.a. Vertreter des von der Romantik beeinflussten Naturalismus, Neuromantiker, die am Fin de Siècle, dem Ende des Jahrhunderts, in ihren Landschaftsschilderungen noch einmal die Schöpfung feierten. So finden sich vorwiegend Darstellungen der Natur fernab der urbanen Welt, wie sie auch in der von Geipel gepflegten Landschaftsfotografie zu sehen sind. In ihnen zeigt sich der am Ende des 19. Jahrhunderts bildungsbürgerlich geprägte, individuelle Ästhetikbegriff des Sammlers, in dem neuere Strömungen, die über den Impressionismus hinausgingen, jedoch keinen Raum fanden. An Geipels grafischer Sammlung, die sich im Wesentlichen in den 1920er Jahren formierte, ist die Entwicklung der Druckgrafik von Martin Schongauer über Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Rembrandt, von Daniel Chodowicki über Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und Hans Thoma bis hin zu Max Klinger und Käthe Kollwitz ablesbar. Der umfangreiche Bestand an Bronzen verdeutlicht das spezielle Interesse des Sammlers an tierplastischen Werken. So fand sich hier das fast vollständige Oeuvre August Gauls versammelt. Mit gezielten Erwerbungen half Paul Geipel einigen notleidenden Dresdener Malern und Grafikern, Bildhauern und Kunstgießern in wirtschaftlich schwieriger Zeit.

Paul Geipel stellte eine in Fachkreisen anerkannte Wissenschaftlerpersönlichkeit dar, die spezielle Forschungsprojekte verfolgte und darüber publizierte. Sein Wissen stellte er z. B. auch als Fachberater beim Aufbau der Internationalen Hygieneausstellung 1911 in Dresden zur Verfügung. Obwohl seit 1935 pensioniert, kehrte er 1939 an seine ehemalige Wirkungsstätte, das Krankenhaus Johannstadt, zurück, wo er bis 1932 die Prosektur geleitet hatte, um dann nach dem Tod Schmorls für drei Jahre die Leitung des Pathologischen Instituts Dresden-Friedrichstadt zu übernehmen.

Bereits 1922 war Geipel zu seiner Frau Martha (1882-1938) nach Loschwitz gezogen und fand dort für fast 35 Jahre mit dem Landhaus Kügelgenstraße 10 ein passendes Refugium.
Nachdem 1940 ein kommunales Museum im Schloss Hinterglauchau etabliert und ständige Ausstellungen eröffnet werden konnten, entschloss sich Paul Geipel, auch in Erinnerung an seinen kunstliebenden, früh verstorbenen Schwager und Oberbürgermeister der Stadt Glauchau, Dr. jur. Otto Schimmel, umfangreiche Sammlungsteile dem Museum der Stadt an der Mulde zu übereignen.
Die alliierten Bombardements auf Dresden 1945 haben Geipel und seine Sammlungen unbeschadet überstanden. Im Alter von 79 Jahren übernahm der gefragte Wissenschaftler eine Tätigkeit am Sächsischen Serumwerk Dresden, die er noch bis kurz vor seinem Lebensende ausübte.

Der Ehrenbürger der Stadt Glauchau und „Herausragende Wissenschaftler des Volkes“ Prof. Dr. Paul Geipel verstarb am 14. Oktober 1956 im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt und fand auf dem Friedhof Loschwitz seine letzte Ruhe.

Dipl.-Museologe Robby Joachim Götze



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